Haus für Film und Medien, Stuttgart


Ort
Stuttgart

Art
Neubau eines Hauses für Film und Medien

Auslober
Landeshauptstadt Stuttgart Referat Wirtschaft , Finanzen und Beteiligungen (WFB), Liegenschaftsamt vertreten durch Landeshauptstadt Stuttgart, Technisches Referat (T), Hochbauamt, Abteilung Kultur-, Bäder- und Jugendbauten

Freiraumplanung
Irène Djao-Rakitine

Tragwerksplanung/TGA
Werner Sobek AG

Szenografie
Engenhart ° Design Studio, Marc Engenhart

Brandschutz
hhpberlin GmbH

Bilder
caspar./moka-studio GbR | Jean-Pierre Monclin, Sabine Monclin




Im Zuge eines europaweiten hochbaulichen Realisierungswettbewerbs plante die Landeshauptstadt Stuttgart inmitten der Innenstadt ein „Haus für Film und Medien“, das den Bürger:innen der Stadt und Region ein medienpädagogisch und kulturell hochwertiges Programm anbietet. Lokalisiert an einem sehr prominenten Standort in der Stuttgarter Innenstadt – zwischen der kultigen, heterogenen Leonhardsvorstadt und der Altstadt, in direktem Sichtbezug zum Rathaus, verbindet unser Entwurf für das neue Multimediamuseum die beiden Stadtteile. Das „HFM“ entwickelt sich über fünf Geschosse in die Höhe und schafft es, durch eine intelligente Stapelung des Raumprogrammes zum umliegenden Stadtraum keine Rückseite auszubilden, sondern sich vielmehr zur Stadt hin zu öffnen und neue Aufenthaltsqualitäten zu schaffen. Es versteht sich als ein Ort der Kommunikation und als Treffpunkt, der Kunstschaffende, Besucher:innen und Anwohner:innen zusammenbringt. Ein Ort, an dem Jung und Alt, Digital Native und Nicht-Digital Native Kunst genießen und Kunst schaffen können – offen für gesellschaftliche Diversität und maximale Flexibilität. Die Architektur spricht dabei Kinder, wie auch Erwachsene an, das Gebäude zu erleben und Teil des Multimediakomplexes zu werden.

Der skulpturale Entwurf des Gebäudes sieht eine Fassade aus recycelten Glaskeramikmodulen vor. In die Module sind LED-Lampen verbaut. Auf der Nordwest-Seite wird die Fassade zur Leinwand und kann sowohl Text abbilden, Bildwand für interaktive Kunst sein oder einfach nur aufleuchten. Einen besonderen Bezug zum neu errichten Mobility Hub schafft die begrünte Fassade im Osten, die die Bepflanzung des Mobility Hubs spiegelt, für städtische Auskühlung sowie Reinigung der Luft sorgt und den Durchgang zur Innenstadt zu einem besonderen Erlebnis aufwertet. Die Pflanzen werden mit dem auf dem Dach aufgefangenen und gespeicherten Regenwasser bewässert. Die Glasfassade im Erdgeschoss ermöglicht schon von weitem einen Einblick in das Museumsinnere mit Gastronomie und multimedialen Ausstellungen. Schon im Windfang beginnt das Erlebnis der multimedialen Kunst: Ein Luftraum vom Untergeschoss zum Erdgeschoss wird durch eine sensorisch aktivierte, kinetische Skulptur von Engenhart Design Studio erlebbar.

Erkundet, wird das Gebäude von Geschoss zu Geschoss durch eine offene Treppe: In den ersten beiden Geschossen befinden sich zwei Kinosäle und die Ausstellungsräume. Das dritte und vierte Obergeschoss verfügt über Workshopräume und Studios, die die Besucher*innen und Künstler*innen für Arbeiten und Workshops nutzen können. Der Dachgarten ist den Museums-besucher*innen gewidmet und als Miniaturlandschaft konzipiert. Ein grüner Hügel ermöglicht es den Menschen, sich hinzusetzen und hinzulegen, während sie das Panorama der Stadt betrachten. Oben auf dem Dachgarten, mit Open Air Kino, angekommen, führt der Weg zurück nach unten über die außenliegende, skulpturale Treppe und ermöglicht einen freien Ausblick. Ein weiterer Teil des Freiraumkonzeptes sieht die Schaffung eines neuen, öffentlichen Platzes vor – er umfasst mehrere bepflanzte Elemente: Einen skulpturalen grünen Hügel, ein grünes Amphitheater, einschließlich eines Wasserspiels und 28 neue Bäume.

Das neue Multimediamuseum wird mittels Fernwärme beheizt. Durch den Einsatz der Fernwärme finden auf dem Gelände selbst keine Verbrennungsprozesse zur Wärmeerzeugung statt. Dadurch vermeidet der Gebäudekomplex eine zusätzliche Belastung der innerstädtischen Luft mit gesundheitsschädlichen Emissionen. Die optimierte Gebäudehülle trägt zur Verringerung von Wärmeverlusten und gleichzeitig zu einer Reduzierung des Wärmeeintrags bei, wodurch die Kosten für den Energiebedarf des Gebäudes in der Nutzungsphase minimiert werden. Die Dächer, wie auch die Fassade werden für die Aufstellung einer PV-Anlage genutzt. Der überschüssige Strom wird in einem Energiespeicher zwischengespeichert. Zur Temperierung der Räume wird eine adiabatische Kühlung vorgesehen. Die adiabatische Kühlung über Wasser ist eine Verdunstungskühlung der Fortluft. Dies führt dazu, dass die Zuluft ohne elektrische Energie herabgekühlt werden kann. Als energieeffiziente Gebäudelüftung ist eine automatische Nachtauskühlung vorgesehen. Mit Hilfe von Lüftungsanlagen wird die kühle Nachtluft nach innen geleitet, um die während des Tagesbetriebs gespeicherte Raumwärme abzuführen und somit eine natürliche und umweltfreundliche Kühlung zu ermöglichen.

Die Jury hat am 2. Februar 2022 zum europaweiten hochbaulichen Realisierungswettbewerb „Haus für Film und Medien Stuttgart“ einstimmig den ersten Preis vergeben. Gewonnen hat der Beitrag von Delugan Meissl Associated Architects, Wien, Österreich, mit Wenzel+Wenzel Freie Architekten PartmbB, Karlsruhe.



„Ein Ort, an dem Jung und Alt, Digital Native und Nicht-Digital Native Kunst genießen und Kunst schaffen können – offen für gesellschaftliche Diversität und maximale Flexibilität.“




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